Statement

 

„Die verschiedenen Materialien, die ich verwende, eröffnen mir einen unerschöpflichen Fundus an bildnerischem ‚Vokabular‘. Jedem einzelnen davon, den Spiegelscherben, Murmeln oder den Drahtgespinsten, haften Assoziationen an, die sich teils durch mein eigenes Empfinden, teils durch ihre Wiederkehr in immer neuen Bildzusammenhängen entwickeln, wo sie sich mit denen anderer Elemente überlagern und durchdringen und so zu einer sichtbaren Chiffre werden, die Schicht für Schicht auf der Leinwand ‚wächst‘. Meine Arbeiten legen Farben auf Materialien und Materialien auf Farben, bis aus diesen ‚Ablagerungen‘ eine Bildwelt entsteht.

Techniken wie Gießen, Tropfen, Spritzen spielen dabei eine wichtige Rolle: Der gelenkte Zufall legt viele Möglichkeiten in dem Bild an, die ich dann mit meinem Mal-Werkzeug ausgestalte. Dabei durchbreche ich manche dieser aufgetragenen Schichten, um an das zu gelangen, was ‚verschüttet‘ wurde, es an die Bildoberfläche zurück zu holen; anderes ‚vergrabe‘ ich dafür wieder.

Diesen Prozess führe ich fort, bis alles zusammenfindet. Meine Bilder sind deshalb sozusagen immer nur ein Bild von vielen, die auch möglich gewesen wären – aber wie bei der Evolution hat am Ende nur das Bestand, das überzeugt. Mich überzeugt, wenn Materialien und Farben am Ende eine spannungsvolles Verhältnis eingehen und den erzählerischen Blick hinein in eine eigene Bildwelt eröffnen.

Dabei ist die Herkunft der verarbeiteten Materialien von wesentlicher Bedeutung: Es handelt sich fast ausschließlich um Fundstücke, Schenkungen oder Erwerbungen vom Trödelmarkt – alle diese Gegenstände hatten also bereits einen Funktion und eine Existenz, ehe sie in der künstlerischen Überarbeitung in neue Zusammenhänge übertragen worden sind. Meine Entscheidung für dergestalt gebrauchte Materialien leitet sich zum einen aus der Patina her, welche die ursprüngliche Zweckbestimmung an ihnen hinterlassen hat – Kratzer, Abriebe und Verfärbungen, zum Teil starke Beschädigungen. Sie verleihen den Gegenständen eine Individualität, die sie aus der Gleichförmigkeit überwiegend industriell hergestellter Güter heraushebt und sich den ökonomischen Prinzipien einer seriellen Herstellung widersetzt.

Zugleich aber kann sie auch als Reflex auf das Leben in einer Welt gelesen werden, in der die Ressourcen immer schneller immer knapper werden. Wo sich abzeichnet, dass auch die erste Welt sehr bald die Folgen eines verschwenderischen Umgangs mit den Rohstoffen des Planeten Erde spüren wird, ist es geboten, das, was nicht mehr nützlich scheint, eines zweiten Blicks zu würdigen. Als „Kronzeugen“ einer Mentalität des Wegwerfens schärfen sie den Blick für den Wert, den auch ein altes Spielzeug noch haben kann – wenn man bereit ist, den Blickwinkel zu ändern und es in neuen Zusammenhängen wie zum ersten Ma zu sehen.“

 

Und hier ein kleiner Einblick in meine Arbeitsweise, in Farbe und bunt:

 

 

 

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